Wenn‘s brodelt -Das Sekretmanagement

Ich durfte neulich an einer Frage/Anwortrunde , mit einer Koryphäe auf dem Gebiet der atypischen Parkinsonssyndrome, teilnehmen.

Neben den medizinischen Fragen ging es auch um den Umgang mit Sekreten, in Fachkreisen gerne auch Sekretmanagemet genannt, was bedeutet, es ist mehr als nur absaugen.
Nebenbei bemerkt ist man selten zufrieden : entweder ist es zu viel, zu wenig, zu zäh oder zu flüssiges Sekret.

Aufgrund von Erkrankungen und / oder Therapieelementen (Trachealkanüle) ist häufig die physiologische Reinigungsfunktion (Husten-Räuspern) der Lunge gestört, was zu Infektionen (Lungenentzündung) führen kann. Dies gilt es zu vermeiden.

Was gehört alles dazu?
1) pharmakologisch Ansatz
Inhalation mit physiologischer Kochsalzlösung 0,9% (pzn 00808558 ):zur Befeuchtung und Pflege der Schleimhäute. Bei sehr zähem Sekret kann man mit 3% Kochsalzlösung inhalieren.
Inhaliert man mit Salbutamol (PZN 01448760) oder Ipra (PZN 00652547)
lösen die nicht das Sekret , verbessern aber die Einatmung und ermöglichten ggf. einen Hustenstoß.

2) mechanischer Ansatz
Gerade wir neurologischen Patienten haben häufig mit einer Husteninsuffizienz zu kämpfen. Ein Hustenassistent oder auch Cough Assist kann die Situation verbessern.

vereinfacht ausgedrückt : unterstützt er die Einatmung mit positiven Druck und die Ausatmung mit negativen Druck .
Es wird empfohlen 3-6 Zyklen (Einatmung+Ausatmung = 1Zyklus), entweder über ein Mundstück oder Mund-Nasenmaske, zu“atmen.
Die Einstellung der Drücke sollte nach Möglichkeit von einem Atemtherapeuten bzw dstationär eingestellt werden.

3) Air-Stacking ist nur der Formhalber erwähnt und sollte geschulten Personal, überlassen werden,“:Luftstapeln“ mittels Handbeatmungsbeutel. Dadurch wird eine Überblähung und besser Belüftung der Lunge erreicht.

4) Das Absaugen von Sekret aus der Luftröhre.ist zwar kein Hexenwerk, man soll sich dennoch einweisen lassen und sich darüber im Klaren sein, was passieren kann. Atraumatische und möglichst dünne (PZN 03390289 Ch10-Ch12) Katheter sollten zum Einsatz kommen. Um ein optimales Ergebnis zu bekommen, gilt der Grundsatz „SO HOCH WIE MÖGLICH, SO TIEF WIE NÖTIG.“ Je besser ein endotracheales Absaugen mit anderen Maßnahmen, wie Atemgasklimatisierung, Hustenassistenz und Co., vorbereitet werden kann, desto geringer die Gefahr durch „tiefes“ Absaugen. Nach Möglichkeit ist das komplette Sekret abzusagen.
Jetzt werden einige denken : logisch, warum mach ich das denn sonst?
Es kann zu Komplikationen wie Schleimhautblutungen, Panikattacken oder Würgereiz ( bis zum Erbrechen und niedriger Herzfrequenz) kommen.

Bitte auf Hygiene achten.
Verwenden Sie nur bei kurzen Absaugkathetern das „NO-TOUCH-PRINZIP“. Hierbei soll man das sterile Teil des Absaugkatheters auch nur mit dem sterilen Handschuh anfassen. Sehr viel häufiger kommen lange Absaugkatheter zum Einsatz. Zum sicheren Entsorgen den Katheter , z. B. im Handschuh umwickeln. Und in den Restmüll geben.

Lassen Sie sich gut einweisen!!!

Hier ein kleines Video zur Veranschaulichung

5) Positionierung und Mobilisation

Positionswechsel dürfen nicht nur einer Dekubitusprophylaxe oder dem Wohlbefinden dienen. Durch Verschiedene Positionen kann auch Sekret gemäß dem Kernsatz „PUT THE GOOD LUNG DOWN“ aus den Lungenanteilen mittels Schwerkraft in Richtung der Luftröhre fließen. Von hier aus ist mit weiteren Maßnahmen das Sekret zu gewinnen.

Gerade die vernünftige Mobilisation bietet eine sehr gute Grundlage, auf die weitere Maßnahmen aufbauen können. Die Positionierung in den Paschasitz, oder auch Herzbettlagerung genannt, ist hier in der Regel nur eine Mindestanforderung. Positiver ist die Mobilisation, auf die Bettkante bzw, in den Sessel und ein Gehtraining, verändern nicht nur die Belüftung in Ihrer Quantität und / oder Qualität, sondern steigert auch die Lebensqualität.

6) ASE , Vibration ect.

Kontaktatmung, Vibration, Percussion, Vernebeln ( mit einem Ultraschallvernebler):und gleichzeitiges gemeinsames Atmen und Husten flankieren die o,g Massnahmen sinnvoll.
Atemstimulierende Einreibung (ASE) ist ein Element aus der Basalen Stimulation
Mobile Patienten auf der Bettkante oder umgekehrt auf einem Stuhl sitzend
•Immobile Patienten seitliche Position
•es ist während des gesamten Angebotes kontinuierlich mind. 1 Hand am Körper des Patienten.
•Die Einreibung geschieht im Haut zu Hautkontakt, also ohne Handschuhe!
•Es wird ein Medium benutzt (W/O Emulsion)
•Das Angebot sollte in ruhiger Umgebung ohne Hektik durchgeführt werden
•Die Fingerwerden während des Angebotes nicht gespreizt sondern bilden eine geschlossene Fläche
•Die Einreibung sollte atemsynchron erfolgen, wobei man einem Patienten mit einer 40 Atemfrequenz keinen 15er Rhythmus anbieten kann.
•Die Einreibung wird rechts und links neben der Wirbelsäule durchgeführt, die Dornfortsätze bleiben hierbei stets frei
•Beginn und Ende der Einreibung werden deutlich gemacht

 


Absteigend: Druck in Daumen und Zeigefinger
parallel zur Wirbelsäule
– Druck in der Kleinfingerkante
– Gleichmäßiger, geringer Druck der ganzen Hand

Ebenfalls aus der Basalen Stimulation kommt, zur Unterstützung der Atmung, die Vibration.
Zur Lockerung des Sekrets oder um einen besseren Atemrhythmus zu
finden.
Dazu eignen sich ein Gesichtsvibrax, Rasierapparat oder eine elektrische Zahnbürste.
Der Tri-Flow (PZN04751855))

 


soll auch für eine Lockerung des des Sekrets sorgen.

Zusammen atmen und husten für einen physiologischen Atemrhythmus.

Was tun bei zu viel Sekret (Hypersalivation)?

Medikamentös z.B mit Scopolamin-Pflaster ( PZN: 00107146))
oder Botoxinjektionen in die Speicheldrüsen. Auch trizykliche Antidepressiva verursachen eine Mundtrockenheit.

Nichtmedikamentös gibt es wenig was man tun kann. Zum einen kann man einen Mullwickel in die Wangentasche und leitet sie nach draußen. Je nach Größe des Wickel ist das wohl unangenehm und auch,wenn wir es im kopf haben, bekommen wir alles mit.
Auch kann man sich eine Absaugung wie beim Zahnarzt basteln. Bitte keine „Dauerabsaugung über mehrere Stunden

Wer Fragen oder Ergänzungen hat, dem wird hier geholfen!

Marion@leben-mit-msa.de

Ich erhebe hier nicht das Recht auf Vollständigkeit, sonst wäre es noch mehr ausgeartet 🙂

 

 

 

 

Tipps und Tricks aus der Basalen Stimulation

Sie  liegt nur noch apathisch im Bett, schrieb mir letztens die Freundin einer MSA Erkrankten.

Das ist schon ungünstig, weil es die Situation nicht unbedingt verbessert. Man verliert dann das Körpergefühl noch schneller
Das könnt ihr selbst mal ausprobieren, indem ihr euch 10 min . Auf eure Hände setzt,  Augen zumacht und nach ner Minute versucht zu erspüren wie die Umgebung eurer Hand  sich anfühlt, ohne die Hand zu bewegen . Nach 10 min zieht ihr sie unter dem Bein hervor  und malt ein Bild von ihr – wie sie sich anfühlt.

Vielleicht kommt ihr dann auch zu dem Schluss , dass man sich so schlecht bewegen kann, abgesehen von der MSA.
Ich möchte jetzt nicht klingen wie einer dieser schlechten Homeshoping Verkäufer aber was hilfreich sein könnte,  ist Basale Stimulation! Ein Pflegekonzept , das ursprüngliche  aus der Heilpädagogik kommt und später für die Krankenpflege/Intensivpflege weiterentwickelt wurde.
Somatische Wahrnehmungsförderung

Unser Körper mit der Haut, als unsere Grenze zur Umwelt, ist mit vielfältigen Empfindungseindrücken von unserer frühesten Entwicklungsphase an vertraut. Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten wie Te ilmassagen (Hand, Fuß, Nacken, Bauch…) Streichungen, eine Geste der Berührung zur Begrüßung, passiven Bewegungen u. v. m. an um den Patienten ihren Körper wieder bewusst zumachen.

Angebote an den Patienten
Initialberührung zB Schulter, Ober-/Unterarm oder Hand
• Für alle Patienten, die ihr Umfeld nicht kontrollieren können und dadurch gestresst wirken, bieten man ein Begrüßungsritual an, dass Vertrauen und Sicherheit vermitteln soll.

• 1. Zur Kontaktaufnahme zuerst den Patienten deutlich mit Namen ansprechen, dann sie / ihn in dem oben genannten Bereich deutlich berühren.

• 2. Über die Aktivität informieren

• 3. Aktivitäten umsetzen

• 4. Zum Abschluss der Aktivität den Patienten am selben  Bereich berühren  und sie/ihn über den Abschluss

Körperformulierende Ganzwaschung

Bei dieser Waschung wird der Körper immer mit 2 Händen gewaschen.

Mit langsameren Bewegungen werden beide Gesichtshälften symmetrisch gewaschen wobei

man immer am gleichen Ausgangspunkt beginnt .

Beim Oberkörper /-bauch und Rückenbereich sollte  ‚der Patient imme ein Gefühl von  Gesamtheit gewinnen. Beispiel

Vom Sternum ausgehend in die Peripherie

Von der Brust ausgehend der Haarwuchsrichtung folgend

Kreuzweise von der linken Schulter zum rechten Oberbauch und entgegengesetzt

Arme, Hände, Beine und Füße werden mit den Händen fest umschlossen und mit einer fließenden Bewegung gewaschen. An den Gelenken erfolgt eine leichte Druckerhöhung. Die Bewegung endet immer an den Zehen bzw Fingern. Auch hier sollte jedes einzelne Glied nachmodelliert werden.

Der Patient erhält die Information: Mein Arm ist lang, rund und endet an. Den Fingern bzw mein Bein ist lang, rund und endet an den Zehen.

Bei der Zugabe von Aromen ist auf Vorlieben und Allergien zu achten. Ebenso ist auf die Wassertemperatur  zu achten (warm =beruhigend, kühl = anregend).

Was man beim waschen macht, ist natürlich auch beim eincremen möglich. Oder vor dem mobilisieren auf der Kleidung.

Hier noch eine Übung zur Selbsterfahrung im Zweierteam. Einer sitzt auf dem Stuhl der andere fährt mit beiden Händen das Bein entlang bis zu den Zehen, wobei an den Gelenken der Druck erhöht wird. Wiederholt das ca 10/15 mal ohne den Körperkontakt zu verlieren. Direkt danach steht der Sitzende auf. Der stehende bleibt neben ihm stehen? Bitte nicht mit einem Patienten machen.

Lasst euch überraschen, wie es sich anfühlt.

Ebenso kann man Körpergrenzen bewusst machen durch Positionierungen.

Das Nest gibt Sicherheit. Vor der Auflösung sollte man einen neuen Reiz setzen, da die Decken sehr schnell zu Körpergrenzen werden (Tastsinn habituiert am schnellsten). Am einfachsten ist, ihr streicht mit einer eindeutigen Berührung über die Decke.  Ihr könnt euch vielleicht noch dran erinnern, wenn man früher als Kind oder Jugendlicher die Bettdecke weggezogen bekam. Ein furchtbares Gefühl, nicht nur weil es kalt wurde.

Das Nest ist auch in seitlicher Position möglich.

Es gibt natürlich noch andere somatische Angebote (über die Haut).

Und zum Konzept der Basalen Stimulation gehören die verstibuläre (Gleichgewicht) und vibratorische Stimulation.

Aber das sind Themen für einen anderen Beitrag.

Wer noch wissen möchte, dem wird hier geholfen: marion@leben-mit-msa.de

Rücken, Rechts, Links

Allen erstmal einen schönen Nikolaustag 🎅 und  2.,Advent

Ich lese oft dass pflegende Angehörige nach Tipps zum Absaugen oder nach anderen Pflegetipps fragen, dass Patienten sich Gedanken darüber machen, ob es zum Krankheitsbild gehört, sich irgendwann nicht mehr alleine im Bett rum rollen zu können.

Worauf will ich hinaus? Aufs  Lagern naja, eigentlich heißt es ja positionieren. Wir lagern ja Konserven und keine Menschen. Vielleicht kann ich einige Anregungen/Tipps geben.
Warum verändern wir eigentlich Posirion?   Damit die Mutter nit  wund wird oder der Opa ned aufgeht ist die häufigste Antwort die man Pflegeschülern erhält.
Aber die Verhinderung des Wundliegens (Dekubituspropylaxe) ist nicht der einzige Grund warum man mal hin und wieder die Position wechseln sollte. Andere Gründe sind u.a. Vermeidung von .Lungenentzündung (Pneumonieprophylaxe)
Wohlbefinden fördern, Schmerzlinderung,  Förderung  der Orientierung im Raum
Verhindern das der Patient sich verschluckt (Aspirationsprophylaxe)
Thrombosen und Spastiken sollen auch verhindert werden.
Wie oft man sich drehen oder gedreht werden sollte hängt von Faktoren ab wie dem Hautzustand, Kreislauf, Schmerzen ect, wenn ich mal bei uns neurologischen,  nichtoperierten Patienten bleibe.
Grundsätzlich kann man sagen:
A)Je weicher die Matratze desto schwieriger wird es mit der Eigenständigkeit. Es gibt spezielle Parkinson Matratze, wo durch Bewegungsimpulse die Eigenbewegung  gefördert wird , das Aufrichten soll sich einfacher gestalten und durch die Mikrostimulation lösen sich evtl. vorhandene Verspannungen. Z,B. von  Thomashilfen  https://www.thomashilfen.de/thevocalm
B)  Ansonsten sollten so viele Hilfsmittel wie nötig und so wenig wie möglich verwendet werden.
Das optimale Konzept für neurologische Patienten ist LIN = Lagerung in Neutralstellung.
Ich weiß, der Begriff ist nicht der aktuellste aber nur die wenigsten sagen positionieren.
LIN verbessert die passive Beweglichkeit von Hüfte und Schulter, sowie den Komfort für Patienten.
 Man benötigt mehr Material als bei konventionellen Positionen, welches den Patienten stabilisiert , was ihm erlaubt sich zu entspannen. Durch eine gleichmäßige Verteilung der Körpergewichts werden die Fersen, Steiß-und Kreuzbein entlastet. Das  Risiko eines Dekubitus sinkt. Zudem sind die Muskeln nicht mehr so angespannt, somit entspannt auch der Patient.
Sitzbett
Zur Anbahnung für Aktivitäten wie zB Waschung ( wenn sie im Bett ausgeführt werden muss);  Essen anreichen, Besuch empfangen ect.
Rücken ( liegend)
Zur Nacht bei Rückenschmerzen ( wenn der Patient keine Probleme mit der Haut, Blutdruck oder Lunge hat.
Auf dem Rücken werden HWS und Kopf werden in Verlängerung der Wirbelsäule ausreichend unterstützt (Nackenrolle). Die Froteerolle unter den Sitzbeinhöcker vermindert, dass der Patient nach unten rutscht.Auf jeder Seite wird eine dünne Decke an den Körper modelliert. Die Füße werden mit Kissen in Richtung Fußrücken unterstützt. Die Armstellung ist körpernah.
Für da Sitzbett wird das Fußteil abgesenkt, falls möglich.
V
Seitliche Position
Für mehr Rumpfstabilität Können Brust und Bauch mit einer Bauchbinde /Tuch fixiert werden . Achtung ⚠️ Auf die Atmung achten !!!
Was noch wichtig ist ⚠️⚠️⚠️Auf die Körpertemperatur achten.!⚠️⚠️⚠️
Wer sich unsicher ist. Probiert es bei Nachbarn  , Freunden oder Verwandtschaft aus, wenn Corona es wieder zu  lässt.
Sprechenden Menschen kann hier geholfen werden:  marion@leben-mit-msa.de

Brokatkissen und andere Hilfsmittel

Neulich habe ich wieder einen Post gelesen, wo der Patient /die Angehörigen einen Dauerkathter verweigert haben, jedoch der betroffene Patient schwer sturzgefährdet war.
Warum ist das so? Warum einen Sturz riskieren, bei dem ich mir wer weiß was brechen kann? Ich kann verstehen, dass man Angst hat vor der Urosepsis und ihren Folgen bei einem liegenden Katheter . Wobei das Infektionsrisiko bei einem Bauchkatheter (SPK deutlich geringer ist als bei einem herkömmlichen Dauerkatheter.
Ich verstehe auch das man wenig angetan davon ist und das soll hier auch kein Vorwurf oder so was sein.
Was mich wundert ist, dass man anscheinend über alternative Transfer – und Umsetzhilfen nicht informiert wird.
Zum Beispiel über den Raser von ETAC , womit man den Betroffenen zur Toilette bringen kann und gleichzeitig das Aufstehen üben kann. So ein Teil gibt es auch von anderen Firmen wie Petermann usw.
Oder Haltegurte Gleitmatten mit denen ich Patienten kraftsparend (gerade für Angehörige) mobilisieren oder im Bett positionieren kann.
Gerade bei Gleitmatten kann man natürlich die Billigvariante Mülltüte (reißfest) nehmen oder als Antirutschmatte zum Hochbewegen (Richtung Kopfende) im Bett so ein antirutsch welches man unter einen Teppich legt. Ich weiß, nachhaltig ist etwas anderes aber für den Übergang …
Auch für aktivierende Positionen gibt Dinge die hilfreich sein können. Angefangen von Keilkissen für die Bettkante/ Stuhl bis hin zu einer Lagerungsschlange die multifunktional einsetzbar ist.
Auf der Seite von Petermann gibt es auch hilfreiche Videos.
Und bis auf die Antirutschmatte gibt es für alles eine Hilfsmittelnummer. Klar, die Krankenkasse nervt bestimmt aber das ist es mir wert , da ich später nicht mit den Brokatkissen von der Couch positioniert werden möchte . Ok, haben wir nicht aber ihr wisst was ich meine.

Bei Wissenshunger einfach melden.

 

Ich habe mich vorbereitet

Als es hieß;“ Sie haben MSA“ habe ich den Fehler gemacht und suchte überall nach Angaben, wie viel Zeit ich denn noch habe. Darüber bin ich fast hysterisch geworden bin. Für mich zählte nur noch die Zeit, wenn ich bettlägerig sein werde. Und über diese Zeit wollte ich ein Wörtchen mitreden, denn ich bekomme ja alles Live mit. Ich habe eine Pflegeanamnese gemacht. Welche Initialberührung angebracht ist, wie warm das Wasser sein soll, welches Einschlafritual ich habe, meine Lieblingsposition ect.  Was für Möglichkeiten der  Körperpositionierung für mich in Frage kommt und davon Bilder gemacht . Ich habe Lagerungsschlangen gekauft und Kniekissen. Auf keinen Fall möchte ich mit den Sofakissen positioniert werden. Es ist quasi ein kennenlernbuch im Sinne von „Marion für Dummies“.

Bei Itunes gab es dann eine Aktion alle Disneyfilme für 7 Euro! Und Marion schlug zu. Zudem lade ich mir nach und nach alle Lieblingsfilme runter, vervollständige meine Serien. Und dann höre ich gerne Podcast und Hörbücher. Mein Wunsch war es, dass  Verwandte,  Freunde und Kollegen  mir eine Kassette gestalten 🙂 Singen, Geschichten, Märchen, Musik,  gemeinsame Erlebnisse, what ever! Ich glaube, damit habe ich viele überfordert! Vielleicht klappt es ja zu einem späteren Zeitpunkt besser – ich werde am Ball bleiben 🙂

Wahrscheinlich werde ich auch keine T-Shirts mehr kaufen müssen, da ich noch gut 60 Effzehshirts habe (zum Teil. noch nie angezogen – da hätte ja was dran kommen können).

Dann habe angefangen alle Urlaubsbilder anzuschauen und mir überlegt ob ich eine Bucketliste brauche.  Ich machte mir Gedanken was ich noch machen möchte. Gerne würde ich noch in Venedig auf den Spuren von Comissario Brunetti  wandeln. Ich mag die Bücher unheimlich gerne. Einen Fotomarathon würde ich gerne noch mitmachen.  Ein Cabrio fände ich noch toll 🙂 und galaktisch wäre es, wenn der ehemals Ruhm und Glorreiche 1. FC Köln ein wenig Gas geben könnte um nochmal  europäisch zu spielen. Gerne gegen Glasgow, wir könnten dann zusammen „M’r stonn zo di“r  (Loch Lormond) singen. Wie war das nochmal mit dem Cabrio… 🙂 😉

Durch diesen Gedanken, habe ich angefangen, mehr in der Gegenwart zu sein/leben, als in der Zukunft! Es ist nicht jeder Tag gleich und natürlich heule ich manchmal, wenn ich mal wieder etwas absagen muss, oder als mir das erste Mal richtig bewusst wurde, dass mein Körper nicht das macht, was ich gerne möchte. Oder wenn die Rückenschmerzen übel sind, der Blutdruck abrauscht ect. Das ich krank bin ohne ein Krankheitsgefühl im klassischen Sinne zu haben.

Also, vom meinem Denken her, fühle ich mich nicht krank!

Kalorien, Kalorien, Kalorien (im Krakenschwestermodus geschrieben)

Essen stellt für den Menschen einen der zentralen Aktivitätsbereiche dar, der darüber hinaus aufs Engste mit Lust, Erleben, Anregung und natürlich auch mit zwischenmenschlicher Kommunikation verbunden ist. Essen dient aber nicht bloß dem Zweck der Selbsterhaltung, sondern ist auch ein sozialer Akt. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung  nehmen wir  zu wenig Nahrung / Flüssigkeit auf. Und damit stellen wir unsere Pflege und Angehörige vor ein Problem. Die Frage, die sich hier stellt ist: Warum ist das so?  Liegt es nur an der MSA oder ist es einfach das falsche Essen? (Essensbiografie) Liegen Schluck- oder Kaustörungen vor, kann ich  überhaupt noch riechen? Bin ich vllt schon desorientiert  weil ich zu wenig trinke?

Ziele der Nahrungsaufnahme  können sein:

  • Essen als soziales Geschehen zwischen Betreuer und Bewohner
  • Tagesstruktur ( Essensritual)
  • Appetitanregung
  • Förderung oder Wiederentdeckung von Ressourcen
  • Bewegungsförderung – Anleiten zum selbständigen Essen

Je nach unseren Einschränkungen muss individuell herausgefunden werden, wie und in welchem Maße die Förderung aussehen soll.

Durch Düfte animieren (wenn der Patient noch riechen kann)! Kaffee /Tee kochen. Frische Säfte pressen.

Auch die Errichtung einer kleinen Plauderecke mit Kaffee, Tee, Säften und Keksen, wo man sich  zurückziehen kann, erscheint sinnvoll.

Nahrung und Getränke sollten erkennbar und unübersehbar angeboten werden.

Die Verwendung von unzerbrechlichem Geschirr, Trinkhilfen und aktives In-die -Hand geben sind mögliche Hilfen zur Selbsthilfe.

Vermehrter Konsum von Früchten, Gemüsesorten stärken das Immunsystem

Ggf. Trinkplan erstellen.

Eine andere Variante der selbständigen Essensaufnahme ist Fingerfood – es darf nicht größer sein als ein bis zwei Bissen und sollte weder zu heiß, zu klebrig, noch zu hart sein.

Manches Mal ist es unumgänglich püriertes Essen zu servieren. Dann ist zu beachten, dass das Essen frisch zubereitet und  püriert wird.

Reichen die Kalorien nicht mehr aus, kann man Fresubin Shots (hochkalorisch/geschmacksneutral) in den Nachtisch, Getränke ect. hinzufügen. Oder einen Fresubindrink-Joghurt anbieten.

Irgendwann kommt dann trotzdem die Zeit wo man sich Gedanken um eine PEG  machen muss.

Diese Tipps und Tricks sind unter Berücksichtigung  Basale Stimulation entstanden. Wer mehr über Basale Stimulation wissen möchte (wie hilft sie mir bei der Pflege meiner Angehörigen und wie kann ich als Gepflegter davon profitieren). Oder ihr braucht Fingerfoodrezepte (Muffins)? Wie kann so eine Essensbiografie, ein Trinkplan aussehen?

Schreibt mir:  marion@leben-mit-msa.de