Wenn‘s brodelt -Das Sekretmanagement

Ich durfte neulich an einer Frage/Anwortrunde , mit einer Koryphäe auf dem Gebiet der atypischen Parkinsonssyndrome, teilnehmen.

Neben den medizinischen Fragen ging es auch um den Umgang mit Sekreten, in Fachkreisen gerne auch Sekretmanagemet genannt, was bedeutet, es ist mehr als nur absaugen.
Nebenbei bemerkt ist man selten zufrieden : entweder ist es zu viel, zu wenig, zu zäh oder zu flüssiges Sekret.

Aufgrund von Erkrankungen und / oder Therapieelementen (Trachealkanüle) ist häufig die physiologische Reinigungsfunktion (Husten-Räuspern) der Lunge gestört, was zu Infektionen (Lungenentzündung) führen kann. Dies gilt es zu vermeiden.

Was gehört alles dazu?
1) pharmakologisch Ansatz
Inhalation mit physiologischer Kochsalzlösung 0,9% (pzn 00808558 ):zur Befeuchtung und Pflege der Schleimhäute. Bei sehr zähem Sekret kann man mit 3% Kochsalzlösung inhalieren.
Inhaliert man mit Salbutamol (PZN 01448760) oder Ipra (PZN 00652547)
lösen die nicht das Sekret , verbessern aber die Einatmung und ermöglichten ggf. einen Hustenstoß.

2) mechanischer Ansatz
Gerade wir neurologischen Patienten haben häufig mit einer Husteninsuffizienz zu kämpfen. Ein Hustenassistent oder auch Cough Assist kann die Situation verbessern.

vereinfacht ausgedrückt : unterstützt er die Einatmung mit positiven Druck und die Ausatmung mit negativen Druck .
Es wird empfohlen 3-6 Zyklen (Einatmung+Ausatmung = 1Zyklus), entweder über ein Mundstück oder Mund-Nasenmaske, zu“atmen.
Die Einstellung der Drücke sollte nach Möglichkeit von einem Atemtherapeuten bzw dstationär eingestellt werden.

3) Air-Stacking ist nur der Formhalber erwähnt und sollte geschulten Personal, überlassen werden,“:Luftstapeln“ mittels Handbeatmungsbeutel. Dadurch wird eine Überblähung und besser Belüftung der Lunge erreicht.

4) Das Absaugen von Sekret aus der Luftröhre.ist zwar kein Hexenwerk, man soll sich dennoch einweisen lassen und sich darüber im Klaren sein, was passieren kann. Atraumatische und möglichst dünne (PZN 03390289 Ch10-Ch12) Katheter sollten zum Einsatz kommen. Um ein optimales Ergebnis zu bekommen, gilt der Grundsatz „SO HOCH WIE MÖGLICH, SO TIEF WIE NÖTIG.“ Je besser ein endotracheales Absaugen mit anderen Maßnahmen, wie Atemgasklimatisierung, Hustenassistenz und Co., vorbereitet werden kann, desto geringer die Gefahr durch „tiefes“ Absaugen. Nach Möglichkeit ist das komplette Sekret abzusagen.
Jetzt werden einige denken : logisch, warum mach ich das denn sonst?
Es kann zu Komplikationen wie Schleimhautblutungen, Panikattacken oder Würgereiz ( bis zum Erbrechen und niedriger Herzfrequenz) kommen.

Bitte auf Hygiene achten.
Verwenden Sie nur bei kurzen Absaugkathetern das „NO-TOUCH-PRINZIP“. Hierbei soll man das sterile Teil des Absaugkatheters auch nur mit dem sterilen Handschuh anfassen. Sehr viel häufiger kommen lange Absaugkatheter zum Einsatz. Zum sicheren Entsorgen den Katheter , z. B. im Handschuh umwickeln. Und in den Restmüll geben.

Lassen Sie sich gut einweisen!!!

Hier ein kleines Video zur Veranschaulichung

5) Positionierung und Mobilisation

Positionswechsel dürfen nicht nur einer Dekubitusprophylaxe oder dem Wohlbefinden dienen. Durch Verschiedene Positionen kann auch Sekret gemäß dem Kernsatz „PUT THE GOOD LUNG DOWN“ aus den Lungenanteilen mittels Schwerkraft in Richtung der Luftröhre fließen. Von hier aus ist mit weiteren Maßnahmen das Sekret zu gewinnen.

Gerade die vernünftige Mobilisation bietet eine sehr gute Grundlage, auf die weitere Maßnahmen aufbauen können. Die Positionierung in den Paschasitz, oder auch Herzbettlagerung genannt, ist hier in der Regel nur eine Mindestanforderung. Positiver ist die Mobilisation, auf die Bettkante bzw, in den Sessel und ein Gehtraining, verändern nicht nur die Belüftung in Ihrer Quantität und / oder Qualität, sondern steigert auch die Lebensqualität.

6) ASE , Vibration ect.

Kontaktatmung, Vibration, Percussion, Vernebeln ( mit einem Ultraschallvernebler):und gleichzeitiges gemeinsames Atmen und Husten flankieren die o,g Massnahmen sinnvoll.
Atemstimulierende Einreibung (ASE) ist ein Element aus der Basalen Stimulation
Mobile Patienten auf der Bettkante oder umgekehrt auf einem Stuhl sitzend
•Immobile Patienten seitliche Position
•es ist während des gesamten Angebotes kontinuierlich mind. 1 Hand am Körper des Patienten.
•Die Einreibung geschieht im Haut zu Hautkontakt, also ohne Handschuhe!
•Es wird ein Medium benutzt (W/O Emulsion)
•Das Angebot sollte in ruhiger Umgebung ohne Hektik durchgeführt werden
•Die Fingerwerden während des Angebotes nicht gespreizt sondern bilden eine geschlossene Fläche
•Die Einreibung sollte atemsynchron erfolgen, wobei man einem Patienten mit einer 40 Atemfrequenz keinen 15er Rhythmus anbieten kann.
•Die Einreibung wird rechts und links neben der Wirbelsäule durchgeführt, die Dornfortsätze bleiben hierbei stets frei
•Beginn und Ende der Einreibung werden deutlich gemacht

 


Absteigend: Druck in Daumen und Zeigefinger
parallel zur Wirbelsäule
– Druck in der Kleinfingerkante
– Gleichmäßiger, geringer Druck der ganzen Hand

Ebenfalls aus der Basalen Stimulation kommt, zur Unterstützung der Atmung, die Vibration.
Zur Lockerung des Sekrets oder um einen besseren Atemrhythmus zu
finden.
Dazu eignen sich ein Gesichtsvibrax, Rasierapparat oder eine elektrische Zahnbürste.
Der Tri-Flow (PZN04751855))

 


soll auch für eine Lockerung des des Sekrets sorgen.

Zusammen atmen und husten für einen physiologischen Atemrhythmus.

Was tun bei zu viel Sekret (Hypersalivation)?

Medikamentös z.B mit Scopolamin-Pflaster ( PZN: 00107146))
oder Botoxinjektionen in die Speicheldrüsen. Auch trizykliche Antidepressiva verursachen eine Mundtrockenheit.

Nichtmedikamentös gibt es wenig was man tun kann. Zum einen kann man einen Mullwickel in die Wangentasche und leitet sie nach draußen. Je nach Größe des Wickel ist das wohl unangenehm und auch,wenn wir es im kopf haben, bekommen wir alles mit.
Auch kann man sich eine Absaugung wie beim Zahnarzt basteln. Bitte keine „Dauerabsaugung über mehrere Stunden

Wer Fragen oder Ergänzungen hat, dem wird hier geholfen!

Marion@leben-mit-msa.de

Ich erhebe hier nicht das Recht auf Vollständigkeit, sonst wäre es noch mehr ausgeartet 🙂

 

 

 

 

2 Antworten auf „Wenn‘s brodelt -Das Sekretmanagement“

  1. Liebe Marion, bereits seit langem verfolge ich aufmerksam und mit großem Interesse Deinen und Martas Blog.
    Deinen Beitrag vom 8.Jan. finde ich sehr anschaulich und besonders wichtig. –
    Die Studie läuft wohl noch ? Ich wünsche der Studie und Euch beiden Erfolg. Hoffentlich werdet Ihr nicht von CoViD-19 erfasst!! Das könnt Ihr so gar nicht „gebrauchen“. Alles Gute für das Jahr 2021 von Veronika Alfes

    1. Hallo Veronika
      Ich wünsche dir ein gutes und gesundes neues Jahr.
      Es ist gerade 21.00 Uhr durch und ich habe das Studienmedikament gerade genommen.
      Morgen fahre ich nach Bonn zur Studienvisite. Morgen ist nur kleines Programm Vitalwerte , ekg, Labor, Fragebogen und körperliche Untersuchung/Tests.
      Lieben Dank auch fürs lesen und dran bleiben. Wenn dich etwas interessiert oder du noch etwas für wichtig hältst sag ruhig Bescheid.
      Dir noch einen schönen Abend und ne gute Zeit,

      Liebe Grüße Marion

      PS:Wie lebt es sich denn als Rentnerin? 😉

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