Was bedeutet MSA für (pflegende) Angehörige?

2017 hatte mein Mann die ersten Symptome – leichte Gleichgewichtsprobleme und die Sprache war manchmal ein wenig undeutlich. Damals war er noch sehr sportlich unterwegs, Bergwanderungen, Fahrradtouren mit Freunden und Motorradfahren waren seine Hobbies. Dann kam der erste Sturz vom Motorrad – Gott sei Dank im Stehen – er konnte es einfach nicht mehr halten und ist gestürzt. In den Bergen wurde er zunehmend unsicherer. 2019 der erste Besuch bei einem Neurologen – diverse Tests wurden gemacht, ein MRT vom Kopf. Die Bilder wurden jedoch gar nicht angeschaut, sondern nur der Befund vom Radiologen gelesen: alles altersentsprechend (was hat die Ehefrau bloß?). In den nächsten Monaten wurde die Gleichgewichtsprobleme schlimmer (Nachbarn dachten er sei betrunken), die Sprache verwaschener, das Schriftbild veränderte sich stark und wurde immer unleserlicher. Irgendwie hatte ich ein ganz ungutes Gefühl und beschloss meinen Laden aufzugeben. 

Auf Empfehlung unseres Hausarztes neuer Termin im März ´21 in einer anderen neurologischen Praxis – dieses Mal war ich mit dabei. An diesem Tag hatte mein Mann einen extrem schlechten Tag – was für ein Glück dachte ich mir, das es endlich jemand sieht und hört. Diverse Tests und ein neues MRT legten den Verdacht nahe, dass es sich um eine Erkrankung des Kleinhirns handelt. Zur weiteren Abklärung folgte die Einweisung in die LMU München im Juni ´21. Wegen Corona durfte ich ihn nicht besuchen. Nach wenigen Tagen kam der Anruf vom Prof auf der Station, der mich völlig umgehauen hat. Von MSA und Hot Cross Bun Zeichen nie vorher etwas gehört. Mir wurde erklärt was diese Krankheit bedeutet, dass es keine Therapie gibt, mein Mann schon ganz viele Nervenzellen verloren hat und das der Grund ist für die vorzeitige Alterung. Ich war einfach nur geschockt und konnte nichts mehr sagen. Eine junge Ärztin erklärte ihm, er müsse sich darauf einstellen evtl. umzuziehen, bzw. behindertengerechte Umbauten notwendig würden. Gibt es eine Patientenverfügung? Sind Dinge notariell zu regeln? Es hat uns einfach so überrannt und von einem Tag auf den nächsten war nichts mehr so wie vorher. Mein geliebter Mann in absehbarer Zeit ein Pflegefall? Wo wir es uns doch jetzt gemütlich machen wollten und unser Enkelkind genießen……Ein einziger Albtraum. 

Ich habe mich sofort mit der Pflegekasse in Verbindung gesetzt, Pflegegrad und GdB beantragt und irgendwie funktioniert. Wochenlang waren wir nur im Schock, kein Tag ohne Tränen. Am schlimmsten war für mich, es der ganzen  Familie und Freunden immer wieder zu erklären. Jedes Mal habe ich wieder Rotz und Wasser geheult, bis heute zieht mich das immer wieder runter. 

Selbstverständlich habe ich sofort geschaut was es im Internet an Infos über MSA gibt – und was ich da gefunden habe war einfach nur grauenvoll. Bis ich auf diese Seite gestoßen bin – meinen allerhöchsten Respekt an Marta und Marion, die als Betroffene diesen Blog auf die Beine gestellt haben! Danke dafür! Und danke für Deinen wunderbaren Schreibstil mit Deinem speziellen Humor und einem Schuss Sarkasmus, liebe Marta!

In diesem letzten Jahr ist Klaus 15 Jahre gealtert. Die Gehstrecke ist sehr begrenzt, seit Oktober hat er einen Blasenkatheter, im Dezember hatte er eine Urosepsis, was seinen Zustand leider verschlechtert hat. Mittlerweile bin ich zuständig für Alles – ich bin Krankenschwester, Taxi, Haushälterin, regele Bankgeschäfte, habe den Einbau eines behindertengerechten Badezimmers und des Treppenlifters organisiert. Ein 24 Std/7 Tage die Woche Job.

Jede Woche ist durchgeplant mit Therapie- und Arzt-Terminen oder ganz einfachen Dingen wie einem Friseurbesuch. Ein Job den ich selbstverständlich – in guten und in schlechten Tagen – gerne mache, der mich aber auch gelegentlich an meine Grenzen bringt. Und ich gebe zu – manchmal ist es auch nervig – wenn alles wieder 3x so lange dauert wie früher. 

Jetzt müssen wir beide mal raus hier, im April sind wir ein paar Tage in den Bergen. Ich habe uns eine barrierefreie Ferienwohnung gemietet.

Manchmal denke ich es wäre schön sich mit anderen Angehörigen auszutauschen,

jemand der diese Krankheit nicht kennt weiß nicht wovon ich rede. Sie ist einfach immer präsent und es zerreißt mir das Herz zuschauen zu müssen wie der geliebte Mensch, mit dem ich seit 43 Jahren lebe immer mehr abbaut. 

18 Antworten auf „Was bedeutet MSA für (pflegende) Angehörige?“

  1. Hallo Silvia,
    du beschreibst genau unser Leben . Mein Mann hat auch MSA!!
    2015 haben wir noch geglaubt das er Parkinson hat, 12 Monate später war klar, dass es MSA ist. Mittlerweile hat er schon seit fast zwei Jahre einen Bauchblasenkatheter, geht am Rollator und seine Fein-und Grobmotorik versteift immer mehr. Ich bin auch für fast alles zuständig . Es kann keiner nachvollziehen, was man als Partner für eine Geduld aufbringen muss. Trotzdem erträgt mein Mann die Erkranung mit einen sagenhaften Fassung, die unglaublich ist.
    Ich hätte auch gerne einen Austausch mit Angehörige , die in der gleichen Situation leben!!!
    LG Astrid

    1. Ich heiße Fritz und bin aus Österreich und habe seit 2016 msa
      Liebe Astrid Ich habe die gleichen Symptome wie dein Mann nur bin Ich seit 2 Monaten in einem Pflegeheim und es geht mit schnellen Schritten abwärts.
      Ich bedanke mich für diesem Block bei Marta usw.ich habe lange gesucht Menschen zu finden die den mut haben offen darüber zu reden.lg Fritz

  2. Hallo liebe pflegende Angehörige,
    Silvia, du hast die passenden Worte gefunden und sprichst mir aus dem Herzen. Bei meinem Ehemann ist 2016 MSA Typ P diagnostiziert worden. Er hat sehr schnell abgebaut und ist innerhalb von 4 Jahren im Rollstuhl gelandet. Ich verfolge diesen Blog auch schon sehr lange und bin dankbar, dass es ihn gibt. Herzlichen Dank Marta und Marion dafür, vor allem, dass ihr den Mut habt, die Auswirkungen dieser Krankheit in allen Facetten mit uns zu teilen.
    Ich wäre an einem Angehörigenaustausch sehr interessiert. Wie kann ich dich Silvia oder Astrid kontaktieren ?
    Herzliche Grüße an alle,
    Sandra

  3. Hallo Sandra

    Ich habe deinen Kommentar gelesen, habe auch ein Interesse dich kennenzulernen. Vielleicht kommen wir über diesen Weg zueinander.

    LG Astrid

  4. Hallo, Silvia, Astrid, Sandra,
    ich kann gar nicht alles schreiben was ich dazu mitteilen möchte. Mein Mann hat MSA-C und ist ehrlich gesagt in der Endphase. Die ganzen Erfahrungen, Hindernisse, Steine und auch Absagen von Behandlungen die ich erfahren habe würde ich gerne mit Euch teilen und austauschen. Ich habe sehr viel kämpfen müssen und auch fast alles erreicht. Ich habe/hatte einen Vorteil… ich kenne mich mit dem Sozial-, Behinderten- und Pflegerecht recht gut aus und ich hatte/habe Zugang zu medizinischen Fachinformationen, da mein Mann selbst Arzt ist (war). Schön zu wissen, dass noch mehr Menschen damit offen umgehen. Vielleicht ist es möglich über eine geschlossene regelmäßige Whats-app/Skype/Signal Gruppe immer wieder mal in direkten Kontakt und Treffen zu kommen, um auch zu diskutieren, Treffen abzuhalten, auszutauschen, oder einfach nur um zu reden.

  5. Hallo Claudia,
    bisher war ich nur Stille Mitleser in dieses tollen Forums. Auch mein großer Dank und Bewunderung an Marta und Marion für ihr bewundernswertes Engagement für die Mitpatienten und pflegenden Angehörigen.
    Claudia, dein Angebot, von dir hilfreiche Tipps für den Umgang mit Ämtern und Behörden zu bekommen, interessiert mich sehr. Aktuell läuft unser Antrag auf Pflegegrad für meinen Mann, bei dem im Sommer 2020 MSA-C diagnostiziert wurde. Die Symptome hat er jedoch schon länger gezeigt, aber die Ärzte verwiesen ihn mehrere Jahre von einem Fachgebiet zum anderen, ohne wirklich die Ursache zu finden.
    Mein Mann war immer ein engagierter Sportler, wollte bisher auch (noch) nicht seinen Beruf aufgeben, weil er ihn in Bewegung halt. Doch nun wird alles immer beschwerlicher und auch riskant, so dass wir die nächsten Schritte einleiten wollen (Pflegegrad und vorzeitige Rente). Ein GdB von 50 ist vorhanden.
    Nun erwarten wir die Beurteilung des Pflegeaufwandes durch den MDK. Wir haben die Befürchtung, dass der/die Gutachter/in die Krankheit überhaupt nicht kennt und die Hilfsbedürftigkeit meines Mannes vollkommen bagatellisiert.
    Vielleicht hast du, liebe Claudia, da wertvolle Tipps für uns.
    Ich würde mich freuen, wenn wir uns vielleicht auch per WhatsApp austauschen könnten.
    Für Marta: Könnte man nicht eine Plattform für Tipps zum Umgang und Argumentieren mit Behörden, Ämtern, KK etc. einrichten. Ich denke wir sind nicht die einzigen, die diesbezüglich viel Hilfe gebrauchen könnten.
    Ich danke für eure Antworten und wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche.

  6. Hallo zusammen,
    Mein Mann hat Anfang 2018 die Diagnose parkinson bekommenim alter von 49 jahren. Da er auf seine Medikamente (levodopa usw.) nicht richtig ansprach hatten sie schon eine Vermutung auf MSA P welche sich auch bestätigt hat. Er hat einen schnellen Verlauf geht schon am Rollator und bekommt hoffentlich jetzt bald seinen E rollstuhl. Pflegegrad 3 hat er seid einem Jahr. Es ist so erschreckend zusehen was diese sch..Krankheit mit einem geliebten Menschen macht. Er war immer so voller Elan und voller arbeitsdrang. Bis letztes Jahr April ging es auch ganz gut doch dann bekam er corona und das hat ihn völlig von den Socken gehauen. 12 Tage lang hohes Fieber und als er das endlich überstanden hat ,ja da brach Msa richtig aus . Auto abgegeben , Rollator bekommen und volle Erwerbsminderungsrente. Ich pflege ihn zuhause noch ohne zusätzliche Hilfe und hoffe das ich das noch lange so weitermachen kann obwohl ich auch schon das ein oder andere Mal an meine Grenzen stoße da ich auch noch berufstätig bin. Aber nützt ja nix man muss sich irgendwie mit dieser Krankheit arrangieren. Musste das mal einfach loswerden und hoffe auf einen Austausch gerne mit anderen pflegenden Angehörigen. Danke fürs Lesen .
    Lieben Gruß
    Nina

    1. Liebe Nina,
      herzlich willkommen bei uns, auch wenn der Anlass kein Schöner ist. Wir alle wissen was es heißt diese Diagnose zu bekommen – für den Betroffenen und die Angehörigen. Du findest hier sehr viel Information über die Krankheit, Möglichkeiten und Grenzen von Therapien usw. Selbstverständlich kannst Du auch Fragen an uns stellen. Zum Thema pflegende Angehörige kannst Du mich gerne direkt anschreiben unter koenigschoepf@gmx.de.
      Ganz liebe Grüße, Silvia

  7. Hallo, liebe Angehörigen von MSA Patienten, ich muss leider euere ganzen Erfahrungen bestätigen. Mein Mann leidet auch an dieser furchtbaren Krankheit. Viele Jahre, sei 2012, wurden die Symptome nicht erkannt. Erst 2019 kam die Diagnose und jetzt ist er mit pflegegrad 5 nur noch ans Bett gefesselt. Er hat ganz schlimme Spastiken, die nur noch mit satifax etwas gemindert werden. Er befindet sich jetzt in der letzten Phase dieses Leidensweges. Nur mit Hilfe des Pflegedienstes und der Palliativversorgung ist die Pflege zu Hause möglich. Ich wünsche allen pflegenden Angehörigen weiter viel Kraft und bleibt gesund.

    1. Liebe Ulrike,
      willkommen bei uns! Leider dauert es häufig lange bis die Diagnose feststeht. Aber wenn wir es früher wüßten – wäre uns dann wirklich geholfen? Mit dem „Verdacht“ oder „wahrscheinlichen MSA“ zieht es den Betroffenen und den Familien den Boden unter den Füßen weg, weil es so gar keine Hoffnung auf Stillstand oder gar Heilung gibt.
      Ich wünsche Euch viel Kraft! Liebe Grüße Silvia

  8. Ob ich nicht, am Anfang oder wo auch immer im Verlauf einer MSA stecke, weiß ich noch nicht definitiv.
    Als mein Neurologe vor wenigen Monaten in seinem Satz Worte wie „Multisystematrophie“, „keine“, „Therapie“, „schnell“ und „fortschreitend“ ohne Betonung versteckte, nickte ich nur ohne Sorgen über etwaige Besonderheiten. Schließlich bedeutet jede Diagnose, dass man etwas tun kann. Das reicht, das reichte bei mir immer: Ich habe darin einige Erfahrung.
    Natürlich habe ich zuhause recherchiert, wie das „kleine Problem“ endlich zu lösen ist. Seit einigen Jahren schon hatte ich gespürt, dass etwas nicht stimmte. Mir wurde permanent schwindelig, Sehstörungen kamen hinzu, Gleichgewichtsprobleme, ich musste von einem normalen Rad auf ein Dreirad umsteigen, weil ich die Balance nicht mehr sicher halten konnte. Natürlich ein heißes Renngefährt: Im Umgang mit körperlichen Einschränkungen hatte ich schließlich schon viel Lockerheit erworben.
    Vor einem Jahr musste ich einen Motor nachrüsten, vor Monaten meinen Heimtrainer gegen ein aufgebocktes Liegerad tauschen, weil mein Blutdruck sitzendes Radeln nicht mehr goutierte, Nordic-Walking-Stöcke und einen Rollator besorgen. Binnen fünf Monaten reduzierte sich meine sportliche Leistungsfähigkeit um rund 90%: Aber ich verfüge über eine große Kreativität im Umgang mit kleinen Unpässlichkeiten.
    Die gefundenen Fachartikel haben mir dagegen leider nur wenige, fühlbare Hinweise gegeben, was MSA für die Lebensumstände der Patienten bedeutet. Vor allem aber klammern sie die Angehörigen aus, als gäbe es nur Ärzte und Patienten, als sei der psychische und physische Aufwand häuslicher Pflege eine vernachlässigbare Nebenwirkung: Nach vielen Todesfällen in der Familie, die allesamt mit teils lange dauernden Pflegezeiten verbunden waren, erlebte ich leider auch aktiv, was Angehörige weit über ihre Kräfte hinaus leisten.
    Wie ich jetzt und in Zukunft helfen kann, diese Belastung möglichst klein zu halten, weiß ich noch nicht. Aber ich bin froh, dass ich „leben-mit-msa.de“ entdeckt habe, in dem mir eine geniale Marta sprachlich wie inhaltlich perfekt schildert, mit was ich mich wohl noch auseinandersetzen werden muss, in denen mir aber auch viele Kommentare von begleitenden Zeugen einen wichtigen Tritt ins Gedankenchassis verpasst haben: Um meine Frau habe ich echte Angst – ihr muss meine Sorge gelten, sollte mein Neurologe mit seiner Diagnose Recht behalten.
    Danke für den Blick in die Facetten und Tiefen dieser Erkrankung und die dringend notwendige Korrektur meiner egozentrischen Blickrichtung!

    1. Hallo Martin, herzlich willkommen bei uns! Wer hat Dich denn diagnostiziert – ein niedergelassener Neurologe oder warst Du in einer Uni-Klinik?
      Unser Leben mit MSA hat nichts mehr mit unserem früheren Leben zu tun – vom Betroffenen selbst und auch von den pflegenden Angehörigen. Es ist sehr lieb von Dir, das Du Dich so um Deine Frau sorgst. Habt Ihr den ganzen „Papierkram“ schon in Angriff genommen (siehe gleichnamige Rubrik hier im Blog)? Wenn Ihr Fragen habt meldet Euch gerne!
      Alles Gute für Euch!
      Gruß, Silvia

      1. Danke Silvia für Deinen lieben Gruß.
        Die Diagnose kommt erst einmal vom örtlichen Neurologen, allerdings mit Gegenprüfung, ob koronare Gründe vorliegen können oder eine Nierenproblematik. Liquor wurde getestet und ergab zu niedrige Werte plus einem Quotienten, der mit 0,002 knapp neben einer eindeutigen Aussage liegt. Auch das Kopf-MRT ist grenzwertig. Im September geht es noch zur Abklärung in eine Uniklinik.
        Wie ich schon angedeutet habe, verlief mein orthopädisches Leben nicht sonderlich glatt, so dass ich schon seit 50 Jahren viel Übung mit elastischen Binden und Kühlpads habe, was vor ein paar Jahren zu einem GdB 80 mit Merkzeichen G führte – diesen neuen Mist hätte ich wahrlich nicht gebraucht: es war auch so schon spannend und anfordernd genug!
        „Ich bin bereit.“, dachte ich spontan……
        Einen lieben und dankbaren Gruß sendet Dir
        Martin

  9. Hallo, ich als Bruder und Pflegeperson schreibe über meine Schwester, gerade erst 50 Jahr geworden. Kommen aus Mittelfranken, 91555 Feuchtwangen. Erstsymptome mit Sprechen im Sommer 2017. Danach viele Untersuchungen und ziemlich gleich in die Uni Erlangen Kopfkliniken überwiesen. Über 30 Krankheiten wurden ausgeschlossen. MSA-C wurde dann Anfang 2022 diagnostiziert. Jährliche Verlaufskontrolle mit CT des Kleinhirns. 2019 erste weisse bzw abgestorbene Bereiche im Kleinhirn. ´20 und ´21 dann massiv schnell verlaufende, also mehr weisse Flecken im Kleinhirn. Sie bekommt L-Dopa mit 1000mg/Tag seit 2 Wochen, 150mg Venlafaxin, 50mg Betmiga für die Blase, 25mg Quentapin abends für das Schlafen. Probleme mit Verstopfung konnte noch nicht ganz verbessert werden…
    L-Dopa wird noch ca 2 Wochen beobachtet, wie es weiter wirkt. Leider bis jetzt nicht so bedeutende Besserung, aber sie hat etwas mehr Kontrolle und mehr Stabilität im Körper beim Laufen.
    Ich habe meiner Schwester seit März 22 eine eigenständige barrierefreie Wohnung in einem Pflegeheim angemietet. Pflegehilfe benötigt sie noch nicht. Seit 1.1.22 Pflegegrad 3, mit GdB 100%. Erwerbslosenrente seit Anfang ´21.
    Sie bekommt 2x/Woche Logopädie, 1xErgo, 1x Physio und ich gehe 1-2x/Woche mit ihr ins Fitnessstudio u.a. zur wöchentlichen neurologischen Rehasportgruppe. Im Sommer fährt sie noch mit ihrem Liegedreirad mit E-Motor (Hasebike Lepus) , bei schlechtem Wetter gehen wir dann ins Fitnessstudio, ich selbst bin Fitness, Physio, Kinetik und Ernährungscoach. Sie kann nur noch mit mir als Stütze am Rollator laufen, jeden Tag ca 500 bis 1000m sind es bestimmt. Es wird aber leider im schwergängiger. Sie bekommt nächste Woche eine Gehheberschiene für beide Füsse, sodass der schlurfende Gang vielleicht etwas besser wird. In ihrer Wohnung kann sie schon seit ca 4 Monaten nicht mehr alleine Gehen. Ich habe ihr einen Trippestuhl (von Devita, ca 1200 Euro) besorgt. Ist ein echt super Hifsmittel, ohne dass sie mehr alleine in der Wohnung laufen muss, sodass zumindest Stürze verhindert werden, wenn sie alleine ist. Der Stuhl ist wie ein Bürostuhl, nur mit einer Feststellbremse, und elektrische Sitzhöhenverstellung um an Hängeschränke zu kommen. Fortbewegung mit den Füssen (Trippeln, darum der Name Trippelstuhl). So, das waren nun viele Infos…..
    Evtl gibt es in unserer Nähe Betroffene, vielleicht wäre einmal ein Treffen möglich? Ansonsten werde ich beim Stammtisch dabei sein. Meine Schwester weiß von dieser Seite noch nichts, sie hat sich erst seit ca 2-3 Wochen mit dieser Krankheit und dem Verlauf beschäftigt. Sie wollte nicht so genau darüber wissen, und es nicht Wahrhaben. Sie dachte, durch Training und psych. Unterstützung (wegen anstehender Trennung vom Ehemann, 2 Kinder) kann sie alle körperlichen Defizite verbessern…..

    Würde mich über einen Austausch/Antwort sehr freuen

  10. Ups, ganz vergessen ein Kompliment für Eure Seite auszusprechen! Echt super, dass Ihr Betroffene und Angehörige zueinander bringt, um wertvolle Infos und das Verhalten der Krankheit gegenüber zu teilen.
    Eine meiner Fragen stellt sich mir zur Zeit:
    Wie offen sollte ich mit meiner Schwester über diese Krankheit und deren Verlauf reden? Ich mein, jeder ist anders und jeder will mehr oder weniger darüber informiert sein. Aber todschweigen kann man die Zukunft nicht, und sagen „das wird schon wieder…“ ist auch fehl am Platz. Was meint ihr darüber? Ich bin ja seit 1/22 ihre Pflegeperson und Vertrauter, und ich versuche so viel wie möglich mit ihr zu unternehmen, solange es so noch geht. Ihre 2. Mittelmeerkreuzfahrt machen wir Ende September, auf die sie sich sehr freut, ich hoffe bei ihr kommt nichts gesundheitliches dazwischen….

    1. Hallo Hannes(?), herzlich willkommen bei uns! Toll was Du alles tust für Deine Schwester – sie kann sich glücklich schätzen Dich zu haben. Jeder Mensch geht anders mit der Krankheit um, ich kann Dir nicht raten was Du ihr über den Verlauf dieser Pest sagen kannst und sollst. Hinzu kommt das der Verlauf bei jedem Patienten anders ist. Mein Mann und ich wurden, schon als er noch in der LMU war, schonungslos aufgeklärt was auf uns zukommt. Das war sehr hart, aber realistisch. Für uns war das im nachhinein betrachtet besser als in Ungewissheit zu leben. Wir konnten uns darauf einstellen und haben sofort vieles geregelt. Eines kann ich unterschreiben – macht alles, was noch möglich ist!
      Alles Gute für Euch und herzliche Grüße, Silvia

      1. Vielen Dank für Deine Rückmeldung, Silvia. Ja,! Ich, wir versuchen so viel es geht zu unternehmen. Solange es meine Schwester nicht überfordert. Ich selbst bin nicht mehr berufstätig seit 2014. Hatte selbst nen Schicksalsschlag durch Krankheit… Daraufhin konnte ich als Schornsteinfeger nicht mehr arbeiten.
        Es wurden 2 Herzklappen bei mir ausgetauscht im Alter von 36 Jahren…. Und weitere Diagnosen innerhalb 3 Jahre….. Ich bin also Hausmann und kann mich voll auf meine Schwester konzentrieren. Jedn Tag werden Unternehmungen gemacht und sie macht tapfer mit! Radfahren auf ihrem 3rad, Schiffsausflüge auf Seen, Urlaube, Essen gehn, Städte ansehn, und ein nächster Höhepunkt ist ihre 1. Kreuzfahrt und 1. Flug im September von Barcelona aus 8 Tage Mittelmeer in einer behindertengerechten Kabine. Ich selbst bin begeisterter Kreuzfahrer und die maximal beste barrierefreiste Urlaubsmöglichkeit ist auf einem Kreuzfahrschiff! Es sind immer viele mit Rollstuhl bzw Rollatoren an Bord. Man ist jedn Tag woanders und es gibt unmenge viel zu Sehen und erleben an Bord. Ich hoffe, dass nichts bei meiner Schwester dazwischenkommt. Unser 1. gemeinsamer Urlaub war dieses Jahr in einem Ferienhaus auf der ital. Insel Elba., zusammen mit unseren Eltern. Es hat ihr so gut gefallen.

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