Aussichten

Nach 5 Wochen Reha wieder Zuhause. Ein Berg Post und die SIPPA-Trinkbecher – ein Becher für alle mit Schuckstörungen, neu entwickelt von einem Start Up – warten auf mich. Ich finde das Becher unterstützenswert und auch beeindruckend, dass junge Leute sich darüber Gedanken machen das es jemanden mit Schluckstörungen gibt. In dem Alter habe ich über ganz andere Dinge nachgedacht.

Es ist schön wieder Zuhause zu sein, in seinem eigenen Bett schlafen, sein eigenes Kaffe trinken und das eigene Essen essen. Es ist auf alle Fälle beeindruckend wie schnell 5 Wochen vergehen. Für mich war das schönste, die Entfernung zu dem eigenen Briefkasten zu haben.

In der Reha war es alles in allem schön, man widmet sich gänzlich seinem Körper. Mir war es auch lieber viel zu tun, aus einer Therapie ins andere zu „rennen“, als  mich zu langweilen. Das ist eine Art Ablenkung für mich. Natürlich ist es niederschmetternd den Verfall des eigenen Körpers  zu beobachten, aber das Psychische Aspekt ist schlimmer, also für mich persönlich jedenfalls.  Ich habe das im Reha bemerkt das ich Krankengymnasik, oder alles mit körperlicher Betätigung viel lieber ist als Psychologie, Sozialarbeiter oder Berufstherapie. Das kann man zuhause gut vermeiden aber nicht in der Reha. Solche Stunden sind für mich wie Finger in eine Wunde drücken und darin wühlen. 

Es ging für mich um die Berentung, und eine Reha ist dafür die ideale Ort. Man muss sich damit abfinden, dass es sein muss, und gemacht werden muss. Es wird allerdings einem vor den Augen geführt, was man nicht mehr so gut kann, und welche Themen für den einen schwer sind. Mir war schon klar dass ich in manchen Dingen schlechter geworden bin, aber die Menge der Fehler, die ich in kognitiven Übungen mache, finde ich doch erschreckend. Dass ich nichtmal an zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren kann. Das ist für mich, ehemalige Abteilungsleiter und Manager schon grauenhaft. Ich bin also für die Rente „geeignet“, sagt meine Ärztin dort. Das war schon auch mein Ziel, denn allein körperlich würde ich kaum eine Stunde aushalten in einem Büro zu sitzen. Man will es und man will es doch nicht, denn Rente mit 50 ist schon scheisse. Vor allem wenn man sich wie 40 fühlt. Die Rente habe ich heute beantragt… kotzen könnte ich.

Vor allem, vor einem Jahr war ich noch im Beruf, und mein Leben lief. Jetzt habe ich das Gefühl, dass jemand auf ein imaginäres Pause-Knopf gedrückt hat, und wahrscheinlich niemand und niemals wird je wieder auf Start drücken. Ich habe jetzt diese ein paar Jahre Ungewissheit vor mir und ich habe keine Ahnung womit ich es füllen soll.

Wieder Zuhause geht es wieder los, Termine ausmachen, Ärzte und Papierkram – ich sage aber nichts, da ich weiss dass nichts tun viel schwerer mich bekommt, und ich dann anfange nachzudenken, was mir schlechte Laune macht.

Nächste Woche habe ich meinen Termin wegen der BIOHAVEN Studie. Endlich. Obwohl wenn auch alles OPTIMALST läuft, wird die Krankheit nur hinaus gezögert, so wie es mal war, wird es nie.

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