Notaufnahme

Vorgestern war es soweit. Das erste Mal auf der Notaufnahme. Harnverhalt. Es war wohl ein Zufall, dass ich etwa vor zwei Wochen bei den Urologen war und wir Selbstkatheterisierung ausgemacht haben um Restharn und darauffolgende Entzündungen zu vermeiden. Der Urologe meint, es ist  ein guter Weg, ein Dauerkatheter hinausschieben, denn er sagt, nach etwa zwei Jahren Katheter, geht es los mit den Entzündungen.
Nur klappen muss das ganze jetzt.
Er kannte sogar Multisystematrophie! Und der andere Arzt, den ich nach der Notaufnahme aufgesucht habe, hat sogar zugegeben nie was davon gehört zu haben und Fragen gestellt – was ihn schon mal sympathisch macht.

Die Vertreterin/Krankenschwester war auch bei mir zuhause, sie hat mir die Prozedere gezeigt – wenn ich das gewusst hätte, dass das der Schicksal meiner Sexualorgan ist… – und hat ein Haufen Proben mitgebracht. Ich kann aussuchen was mir am besten taugt.

Bei den ersten Versuchen habe ich wohl was falsch gemacht, ich war ungeduldig und das Ding wohl zu schnell entnommen, mit null Erfolg (also ich bin kein Milliliter losgeworden). Und ich habe wohl dass Ding etwas zu rabiat in mich reingerammt, es war immer ein wenig Blut, bei entnehmen der Katheter zu sehen.

Ausserdem ist die Prozedere nicht weiter schlimm. Gewöhnungsbedürftig ja. Würde ich aber mit dem Zähneputzen mit 50 anfangen, wäre es auch gewöhnungsbedürftig. Etwas in sich hineinschieben ist erstmal komisch. Ungewohnt. Und diese ganze hygienische Aufwand am Anfang ist lästig. Das ganze muss eben Gewohnheit und Routine werden. Immerhin tut das ganze nicht weh. Ich mach zwar was falsch und verletze jedesmal die Harnröhre, aber nicht mal das tut weh. Ich habe nur Angst gehabt vor eine Entzündung, und weil ich zu schnell erfolglos aufgegeben hatte, habe ich das ganze mal gelassen. Und das war der Fehler…

An den besagten Tag ging es damit los, dass ich kaum was losgeworden bin. Aber diese kraftlose und tröpfchenweise kennen wir ja schon. Getrunken habe ich wie immer, es ist ja wichtig, und meine Blase ist wohl mit der Zeit gewachsen und gewachsen. Am spät Nachmittag ging es mit den Schmerzen los, ich konnte mich nur unter Schmerzen hinsetzen. Ich fand das Ganze dann nicht mehr lustig. Außerdem, ich dachte auch, ich hätte eine Entzündung, und vor einer Sepsis habe ich höllischen Angst. Man hört zu oft, dass Patienten an Sepsis versterben, dass als Harnweginfekt oder Lungenentzündung anfängt.

Irgendwann wurde es unerträglich und meine AWO-Betreuerin (der ich sehr Dankbar bin) hat mich ins Krankenhaus gefahren. Der Arzt dort konnte Multisystematrophie nicht mal schreiben.  Erst wollten sie mich behalten dann doch nicht. Also Zugänge angelegt, sprich an mir umsonst  rumgestochert und alles dann wieder weggemacht.

Aber das gelegte Harnröhrenkatheter hat dann die Erlösung gebracht, spontan bin ich 1200 ml losgeworden, später dann mehr.

Am nächsten Tag dann wieder zum Urologen. Wenn ich nicht auf Selbstkatheterisierung bestanden hätte, hätte er mir einen Bauchkatheter gelegt. Lieber schiebe ich das hinaus. Aber was sicher ist, wenn ich das jetzt nicht machen würde, wäre ich wieder auf der Notaufnahme, denn das eigentliche Problem, also Harnverhalt ist noch immer da. Jetzt bin ich etwas geduldiger, ich habe auch nicht diesen ewigen Drang und verbringe meine Tage nicht auf die Toilette.

Was ich aus den ganzen gelernt habe? Wenn man im Not ist, dann ist man ganz schön erschrocken und es wird klar, wie sehr man von anderen abhängt. Dass das Personal auf der Notaufnahme keine Ahnung hat und ist auch schwer belehrbar. Die haben zB. mein Blutruck im Liegen gemessen, was eigentlich nichts aussagt. Da tut man sich mit Sprachschwäche schwer, meine Betreuerin hat aber laut und deutlich protestiert, aber auch das kam nicht an. Ich habe in meinem Geldbeutel eine Beschreibung der Krankheit für den Notfall, aber leider kann  man das ganze nicht in einer Satz zusammenfassen. Und lesen müsste man es, was man dann nicht tut.

13 Antworten auf „Notaufnahme“

  1. Liebe Marta ,ich habe seit Dezember 20 Harnverhalt. Durch einen Flyer aus der Urologie der MHH wußte ich, dass es Einmalkatheter überhaupt gibt. Und Dauerkatheter kommen mir nicht an den Körper!!!! Leider sind meine Finger zu „hakelig“(Blasenentzündung als Resultat), aber mein Ehemann ist ein guter Kathedersetzer, und wir haben einen Beutel am Katheter. Es ist eingespielt und o.k. Ich stehe gerne mit Erfahrung zur Verfügung. Viele Grüße Ute

      1. Hallo Marta,
        zu Beginn nachts alleine zum Klo. Aber jetzt kommt gar nichts mehr.
        ca.3.ooh(wenn ich von alleine wach werde) , 7ooh,
        13h , 19.ooh, 24.ooh(wir sind spät ins Bettgeher). Ich liege in Rückenlage auf dem Bett und halte mit 2 (sauberen) Händen die ebenfalls von außen gesäuberte) Harnröhre frei. Mein Mann hat eine Taschenlampe und den Katheter. Ich ziehe ihn wieder raus und leere ihn im Klo. Entsorge ihn im Müll. Am Anfang ging oft was schief, leider immer mit Blasnentzündung. Jetzt muss ich öfter mal zwischendurch, ich merke zum Glück, wenn die Blase Entlastung braucht. Die Krankenkasse zahlt 6xtäglich Einmalkatheter und Kompressen (steril), die Pflegekasse zahlt Einmalunterlage im Bett und Händedesinfektion(lt. Therapeutin reicht Händewaschen) über Pflegepaket. Das Desinfektionsmittel der Kompressen(Prontoderm C)bezahle ich selbst. Vorher wußte ich nichts von Harnverhalt, Corona und mein Mann machen es mir leichter. Wer liegt schon gerne so entblättert vor einem anderen?! Ich suche noch nach Plan B, hab aber zur zt. keinen. Es wird wohl nicht weggehen, aber da keiner MSA kennt ,erwarte ich auch keine Antwort. Es ist noch nichts besser geworden. Aber Harnverhalt finde ich besser als Inkontinenz!!

        1. Danke Ute! Das hört sich nach keine Besserung an… Na mal sehen wie lange ich das machen kann, ich habe keinen Mann der assistiert. Immerhin geht es leichter jetzt als am Anfang…

          PS. ich dachte das normalisiert sich wieder, scheint, ich muss mich damit abfinden.

        2. Hallo Ute, ist zwar komisch wenn man das so sagt, aber ich bin auch sehr froh das ich nicht inkontinent bin. Diese Katheterisiererei ist zwar kein Vergnügen, stelle ich mir aber noch angenehmer vor als ewig aus zu laufen…🙄Da bin ich ganz und gar deiner Meinung!

  2. Hallo Marta, jetzt muss ich mich auch mal zu Wort melden! Ich katheterisiere mich seit unterdessen neun Jahren selber.
    Ich habe auch Harnverhalt (Seit neun Jahren) und ich merke auch nicht, weil ich eigentlich aufs Klo muss – d.h. ab 700 ml ungefähr, manchmal auch ab 600 ml Merke ich das dann, aber ich kann sozusagen nicht in die Hose machen …. Besser werden, davon habe ich tatsächlich noch nichts gehört. Außer: mithilfe eines Blasenschrittmachers, den man implantiert bekommt und man von außen steuert. Das habe ich natürlich auch probiert, aber es hat nicht funktioniert bei mir. Und weil ich viel trinke muss ich auch häufiger katheterisieren, so zehnmal am Tag ungefähr. Ich hab die Katheter von Coloplast Homecare, Speedykath die hatte ich zuerst und jetzt hab ich seit einem Jahr welche die Eve heißen auch von Coloplast. Nierenbeckenentzündung hatte ich natürlich auch schon, aber inzwischen habe ich das besser raus wie es geht und ich trinke viel, was entscheidend ist. Aber nach neun Jahren habe ich immer noch gute und schlechte Tage wo es klappt und nicht klappt, warum auch immer…
    Grüße, Iris 🙋‍♀️

    1. Hallo Iris, schön von dir zu hören! (Schöner wäre zu einem anderen Thema)
      Ja, ich habe auch Coloplast, ich habe auch die Eve ausgesucht. Weil ich auch viel trinke, komm ich auch öfters zum Prozedere. Ich merke ich es noch, wann ich muss und jetzt langsam wird es zur Gewohnheit. Jetzt muss ich nur das Problem lösen, was wenn ich ausser Haus bin…

  3. Hallo Marta, da habe ich ein kleines Täschchen mit Kettchen dran, da kann ich das an den Türgriff von der Toilette hängen hab die Hände frei, da drinne habe ich natürlich Katheter und ein kleines Fläschchen Desinfektionsspray (man muss unbedingt darauf achten, dass man von Octenisept zum Beispiel wWund und Schleimhaut Desinfektionsmittel nimmt, (Das gibt es nicht in klein, da muss man was anderes nehmen und das umfüllen) Schleimhaut ist super wichtig, ich hatte mal nur Wund Desinfektion – das macht man genau einmal! Die meisten Apotheker wissen nicht dass das ein unterschied ist, aber glaub mir, es ist einer…
    Ich wollte dir ein Foto schicken, weiß aber nicht wie das geht🤷‍♀️Kannst du mir das sagen?
    Autobahnraststättenklos sind immer noch der Horror obwohl sich das schon gebessert hat, Aber man hat halt keine Wahl…

      1. Spiegel hatte ich am Anfang, aber jetzt mache ich das seit Jahren quasi blind… So ein Spiegel nimmt natürlich viel Platz weg. Ich hatte einen den ich mit einem Klettverschluss um die Brille befestigen konnte und gut einstellen konnte – der war richtig gut, Da mache ich auch mal ein Foto, den habe ich am Anfang auch immer mit gehabt, aber später dann ging’s ohne

  4. Hallo Iris,
    da Du „blind“ katheterisiert, möchte ich gerne von Dir lernen. Ich mag meinen Mann ungern nachts wecken. Er tut soviel!!!Kannst Du noch telefonieren? Meine Telefonnr. schreib ich Dir dann. Da Du schon 9 Jahre Katheter setzt, bin ich sehr an „Msa“-Zeit interessiert .Man liest immer von „rollstuhlpflichtig“ .Ich hätte sogerne mal ein positives Beispiel von MSA. Viele Grüße Ute

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